Kunstpädagogische Professionalität und Kunstdidaktik
Eine qualitativ empirische Studie im kunstpädagogischen Kontext

Andrea Dreyer

Band 2 der Schriftenreihe Kontext Kunstpädagogik, München 2005, 
300 Seiten 3-938028-62-9,
19,80  Euro
 

bestellen bei amazon
Rezension von
Georg Peez

 

In der vorliegenden Untersuchung wird die Spezifik kunstpädagogischer Professionalität im Spannungsverhältnis erziehungswissenschaftlicher und kunstdidaktischer Erwartungen an den Professionalisierungsprozess thematisiert. Die forschungsleitenden Fragen, welcher fachspezifischen Kompetenzen Kunstlehrende bedürfen, in welchen Phasen der Kunstlehrerbildung diese entwickelt werden und welchen Einfluss die Kunstdidaktik auf die Professionalisierung von Kunstlehrenden nimmt, bilden den Rahmen dieser interdisziplinären Studie.
Die Annäherung an den Forschungsgegenstand erfolgt auf Grundlage eines mehrperspektivischen Erhebungsdesigns. Nach diesem werden mit Hilfe von leitfadengestützten themenzentrierten Interviews die Aussagen der an der Studie beteiligten Kunstlehrenden erhoben und mit Protokollen aus Phasen der teilnehmenden Beobachtung sowie Kurzportraits der Erhebungsschulen und Antworten aus Schulleiterfragebögen zur Etablierung des Faches Bildende Kunst innerhalb der jeweiligen Schulkultur trianguliert. Auf Grundlage eines entwickelten Vier-Felder-Schemas wird die Auswahl der Eckfälle für die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring begründet.
Einer anschließenden Kontrastierung der Einzelfälle auf Grundlage der je spezifischen schulischen Rahmenbedingungen der Erhebungsschulen folgt die Rekonstruktion kunstpädagogischer Balancierungsmuster. Die Analyseergebnisse bilden den Ausgangspunkt zur theoriegeleiteten Begründung kunstpädagogischer Professionalität sowie zu Überlegungen zu einem erweiterten Verständnis von Kunstdidaktik.

 

Vorwort

Kapitel 1
Die aktuelle Notwendigkeit bildungstheoretischer Fundierung eines Randfaches

1.1 Themenstellung

1.2 Forschungsgegenstand
1.2.1 Das Paradigma „Ästhetische Erziehung“.
Schillers Briefe – ein Rezeptionsproblem
1.2.2 Kunstvermittlung als Bildungsauftrag –
terminologische Differenzen und Konsensprobleme
1.2.3 Forschungsdesiderat Kunstlehrerprofessionalität – eine erste empirische Annäherung

Kapitel 2
Die Spezifik eines Faches im dilemmatischen Ist-Zustand

2.1 Paradigmenwechsel über ein Jahrhundert – ein kurzer Abriss

2.2 Fachinhalte und Ziele des Kunstunterrichtes – Pluralität und Beliebigkeit?
2.2.1 Rahmenrichtlinien und ihre Anforderungen an den Kunstunterricht
2.2.2 Bildungsziele und Inhalte von Kunstunterricht im kunstdidaktischen Diskurs

2.3 Legitimationsdefizite des Fachgegenstandes. Mythen und (gescheiterte)
Versuche, Begründungen für ein Fach zu finden und aufzugeben
2.3.1 Das Ästhetische als „fundamentale Determinante der Erkenntnis“ (Bering 1999, 10)
2.3.2 Zur Bildung des guten Geschmacks
2.3.3 Über Wahrnehmungserziehung
2.3.4 Bilderziehung im Diskurs
2.3.5 Erziehung durch Kunst – Erziehung zur Kunst
2.3.6 Soziales Lernen, Kreativität, Fantasie als gescheiterte Kategorien?
2.3.7 Zur Vermittlung eines nicht vermittelbaren Fachgegenstandes
2.3.8 Resümee – Wahrnehmung als fachspezifisches Bildungspotential

2.4 Exkurs – Begründungszusammenhänge für die „Unvereinbarkeit“
von sozialwissenschaftlichem und kunstdidaktischem Theorieverständnis


Kapitel 3
Kunstpädagogische Professionalität im Spiegel ausgewählter kunstdidaktischer
Konzeptionen und der erziehungswissenschaftlichen Professionalisierungsforschung

3.1 Gegenwärtige kunstdidaktische Methoden und ihre Nähe zur Kunst
3.1.1 Manfred Blohm: Leerstellen
3.1.2 Helga Kämpf-Jansen: Ästhetische Forschung
3.1.3 Pierangelo Maset: Ästhetische Operationen
3.1.4 Gert Selle: Ästhetisches Projekt
3.1.5 Carl-Peter Buschkühle: Lebenskunstkonzept
3.1.6 Weitere professionsbestimmende kunstdidaktische Überlegungen
3.1.7 Resümee – Professionsspezifische Kompetenzen aus kunstdidaktischer Perspektive

3.2 Der erziehungswissenschaftliche Professionalisierungsdiskurs und seine
aktuelle Rezeption in der Kunstdidaktik
3.2.1 Lehrerprofessionalität als etabliertes Forschungsfeld der Erziehungswissenschaft

3.3 Kunstpädagogische Professionalität im Kontext von Erziehungswissenschaft
und Fachdidaktik – Verbindungslinien neu entdeckt
3.3.1 Professionelle Kompetenzen im interdisziplinären Professionalisierungsdiskurs
3.3.2 Exkurs zu einem spezifischen Professionalisierungsverständnis gegenüber
Kunstlehrenden
3.3.3 Der berufsbiografische Professionalisierungsansatz und seine Erträge für den fachdidaktischen Diskurs
3.3.4 Konstruktivismus und Leerstellen
3.3.5 Die mäeutische Pädagogik und das Schöpferische
3.3.6 Resümee – Die Nähe in der Distanz


Kapitel 4
Professionalität im reflexiven Selbstverständnis von Kunstlehrenden –
eine empirische Studie

4.1 Forschungsmethodologie
4.1.1 Erhebungsdesign

4.1.2 Auswertungsdesign

4.2 Differenz in Kunst und Lehre
4.2.1 Fallskizzen aller Probanden – begründete Fallauswahl

4.2.2 Fall 1 ... der eigenen Kunst den Rücken gekehrt
Frau Maler: Lehren aus Entschiedenheit

4.2.3 Fall 2 ... eine schön(st)e Nebensache der Welt
Frau Baum: Kunst als Vermittlungsgegenstand

4.2.4 Fall 3 ... Lehrerin sein dagegen sehr
Frau Blume: Künstlerin im Lehrberuf – ein dilemmatisches wischenspiel?

4.2.5 Fall 4 ... Lehrer aus Berufung
Herr Fröhlich: Ein Pädagoge im musischen Fach

4.2.6 Resümee – Die Vielfalt kunstpädagogischer Praxis

4.3 Eckfallkontrastierung:
Künstlerische Identität versus pädagogischer Habitus
4.3.1 Wenn Fachkompetenz zum Problemfall wird – Wege zur Herausbildung einer
berufsbiografischen Passung
4.3.2 Wie viel Kunst braucht die Kunstpädagogik, wie viel Pädagogik
der Kunstunterricht? – künstlerische Identität und pädagogischer Habitus
als Schlüsselkategorien kunstpädagogischer Professionalität
4.3.3 Die Funktion des Hochschulstudiums in der Entwicklung kunstpädagogischer
Professionalität
4.3.4 Fachdidaktisches Tabuthema: Rahmenbedingungen des Faches Bildende Kunst in den alten und neuen Bundesländern

4.3.5 Resümee – Kunstpädagogische Kompetenzanforderungen in Theorie
und Schulpraxis

4.4 Balancierungen kunstpädagogischer Rollenerwartungen
im Spiegel der Empirie
4.4.1 Kontrastierung und Differenzbeschreibungen zwischen den erhobenen
Einzelfällen
4.4.2 Balancierungen kunstpädagogischer Rollenerwartungen

4.4.3 Exkurs – Erwachsenenbildnerische Kompetenzprofile und Balancierungen
kunstpädagogischer Rollenerwartungen
4.4.4 Resümee – Balance versus Zerrissenheit


Kapitel 5
Kunstpädagogische Professionalität und Bedingungen ihrer Entwicklung

5.1 Der Begriff der künstlerischen Identität

5.2 Kunstpädagogische Professionalität im Überschneidungsfeld
von Theorie und Praxis

5.3 Konsequenzen für den fachdidaktischen Diskurs
5.3.1 Die Kunstdidaktik und ihre „vergessenen“ Aufgaben
5.3.2 Was heißt theoriegeleitete Praxis und wie kann im Rahmen der
kunstdidaktischen Studien dazu befähigt werden?
5.3.3 Entwicklung kunstpädagogischer Kompetenzen innerhalb der
ersten Phase der Lehrerbildung

5.4 Resümee – Kunstdidaktische Verantwortungen und Chancen

5.5 Kunstdidaktik und kunstpädagogische Praxis
5.5.1 Professionalisierungsansätze der Kunstlehrerausbildung innerhalb der ersten
Phase der Lehrerbildung im Bereich der Kunstdidaktik – ein Praxisbeispiel
5.5.2 Kunstpädagogische Professionalität – Lösungsansätze zu einer produktiven
Balance zwischen künstlerischer und kunstpädagogischer Arbeit –
Praxisbeispiele aus der Fallauswertung

5.6 Weiterführende Thesen, Forschungsfragen
und abschließende Bemerkungen
5.6.1 Abschließende Thesen
5.6.2 Weiterführende Forschungsfragen und Ungeklärtes

Literaturverzeichnis /Abbildungsverzeichnis


Nachwort