Bilder, die die Welt bedeuten

Kirschenmann, Johannes / Wagner, Ernst (Hg.): Bilder, die die Welt bedeuten. ‚Ikonen‘ des Bildgedächtnisses und ihre Vermittlung über Datenbanken. München (kopaed) 2006. Band 4; 294 Seiten; 18,80 Euro; ISBN 3-938028-64-5

In diesem Band sind die Beiträge einer Tagung versammelt, auf der die Ergebnisse des bayerischen Modellprojekts „Ikonothek“ präsentiert wurden, das im Rahmen des Programms „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung eingerichtet wurde. Zentrales Anliegen dieses Projektes war nichts Geringeres als das Anlegen einer Datenbank mit 100 Schlüsselbildern – somit ‚Ikonen‘ – unseres kulturellen Bildgedächtnisses mit besonderem Blick auf den Geschichts- und Kunstunterricht. Inzwischen wird die erstellte Datenbank durch das „Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht“ angeboten (www.fwu.de).

Fragen nach dem kollektiven bzw. kulturellen Gedächtnis sind nicht neu, sie gehen historisch bis auf Goethe zurück. In einer Kultur jedoch, die zunehmend durch Bilder geprägt ist und in der die Wirklichkeiten ihrer Teilhabenden ganz wesentlich durch Bilder bestimmt sind, stellt sich immer mehr die Frage nach dem kulturellen Bildgedächtnis. Zwar findet auch dieser Frageansatz in Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas bereits seine historischen Wurzeln, doch gewinnt er mit dem ‚iconic turn‘ an neuer Relevanz. In den 19 Aufsätzen dieses Bandes erkunden insgesamt 20 Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen Blickwinkeln, welche und in welcher Weise Bilder die Welt bedeuten, wie sie Wirklichkeiten abbilden und Wirklichkeiten erzeugen, sich als ‚Ikonen‘ unseres Bildgedächtnisses durchsetzen und auch behaupten und sich mit Hilfe digitaler Datenbanken sammeln, ordnen, vernetzen und vermitteln lassen.

Der Band ist in drei Teile gegliedert. Den ersten Teil bilden Aufsätze, die grundlegend nach dem kulturellen Bildgedächtnis fragen sowie die Generierungs- und Durchsetzungsprozesse von Bildern aus Gegenwart und Vergangenheit zu kulturellen Schlüsselbildern darlegen und erörtern. Im zweiten Teil stehen verschiedene praxisorientierte (kunst-)pädagogische Aspekte der Bildvermittlung im Zentrum und die Beiträge des letzten Teils stellen detailliert einzelne Bilddatenbanken vor.

Kunstpädagog/inn/en vermitteln die Beiträge dieses Bandes wichtige – und sicherlich auch neue – Erkenntnisse über die historische und intermediale Vernetzung von Bildern sowie über deren kulturellen Stellenwerten. Zudem gibt eine Anzahl an Beiträgen sehr praxisorientierte Anregungen für das Auswählen von Bildern und deren Vermitteln im Kunstunterricht.

Rolf Niehoff