Alain N. Lavanchy in "Der Bildredakteur"

Spätestens seit dem Fernsehen leben wir in einem ständigen Bilderstrom. Trotz der riesigen Menge an Bildern gibt es immer wieder Ikonen, die in die Kulturgeschichte eingehen: das brennende World Trade Center, die Mona Lisa, Warhols Marilyn Monroe. Wie unser Gedächtnis mit solchen Ikonen umgeht und wie man sie didaktisch sinnvoll vermitteln kann zeigt das im Kopaed Verlag erschienene Buch Bilder, die die Welt bedeuten.

Wieviele Bilder sieht ein durchschnittlicher Mensch an einem Tag? Wir sehen sie überall, in der Zeitung, am Fernsehen, auf Werbeplakaten, in Museen. Es wird gegen Tausend Bildern sein. Und an wie viele erinnern wir uns auch eine Woche später noch? An die wenigsten. Und doch gibt es immer wieder Bilder, welche im Gedächtnis haften bleiben, Bilder die immer wieder in den Medien, der Werbung, etc. auftauchen, die Ikonen

Unter dem Titel Bilder, die die Welt bedeuten ist vor kurzem im Kopaed-Verlag eine Sammlung verschiedener Texte zu Bildikonen, ihrer Verarbeitung im Bildgedächtnis und deren Vermittlung mittels Datenbanken erschienen.

Das Buch vereint Beiträge zu einer Tagung, die das bayrische Projekt Ikonothek vorstellte. Ziel des Projektes war es, eine Datenbank mit 100 Ikonen aufzubauen. Die Bilder sollen vor allem im Geschichts- und Kunstunterricht angewandt werden.

Im ersten Teil des Buches wird die Funktionsweise von Ikonen betrachtet. Dazu gehört, wie unser Gehirn überhaupt mit Erinnerungen an Bilder umgeht, oder wie die Werbung bekannte Bilder für ihren Zweck verwendet, abändert und so das Bild eine eigenen Dynamik bekommt.

Im zweiten Teil werden die pädagogischen Aspekte der Ikonen dargestellt. Wir werden tagtäglich mit Unmengen an Bilder überflutet. Da ist es wichtig dass in der Schule jedes Kind seinen eigenen Bilder-Grundwortschatz mitbekommt und lernt, mit der Bildermenge sinnvoll umzugehen.

Im dritten und letzten Teil bespricht das Buch verschiedene Aspekte von Bildarchiven und –datenbanken. Dabei werden nicht nur verschiedene Projekte, wie etwa Prometheus oder die Ikonothek vorgestellt. Ein Kapitel befasst sich auch mit dem Suchen in solchen Datenbanken und deren Relevanz für den didaktischen Gebrauch von Ikonen.

Ein umfangreiches Quellensammlung am Ende der Kapitel sowie eine Zusammenstellung der wichtigsten Bilddatenbanken für den didaktischen Einsatz runden das Buch ab.

Dass die einzelnen Beiträge ursprünglich für eine Tagung gedacht waren, ist an deren teils recht wissenschaftlichem Charakter zu erkennen. Das Buch liest sich stellenweise eher harzig. Auch kommen für ein Buch über Bild-Ikonen recht wenige Bilder zum Einsatz, und diese sind erst noch in schwarzweiss abgedruckt.

Dagegen ist die Zusammenstellung der einzelnen Themen die grosse Stärke des Buches. Bilder, die die Welt bedeuten betrachtet von den Ikonen der alten Meister, wie etwa eines Da Vinci bis zu den Pressebildern der heutigen Zeit ein grosses Spektrum an Medien.

Bilder, die die Welt bedeuten bietet einen vielseitigen Blick auf das Thema Bild-Ikonen, deren Verwendung in Medien und Alltag sowie auf die Möglichkeiten die sich für den Schulunterricht daraus ergeben. Wer mehr über Bild-Ikonen und deren Funktionsweise erfahren möchte und sich nicht auf die Fotografie beschränken will, ist mit dem Buch sicher recht gut bedient. Schade sind die teils zu wissenschaftlichen und daher schwerfälligen Texte, die nicht gerade zu einem einfachen Lesefluss beitragen.